Tino, ein liebeswürdiger und verspielter Rauhhaargalgo von jungen anderthalb Jahren weilt seit letztem Herbst in der Auffangstation in Bilten. Bei meinen gelegentlichen Besuchen nahm ich ihn immer zum spazieren mit wo er durch sein neugieriges, mutiges manchmal aber auch scheues Wesen auffiel. Man spürte die grosse weite Welt lockte und ängstigte ihn zugleich.

Anfangs Januar 06 bekam ich einen Anruf von Evelyne Bader, Leiterin der Auffangstation New Graceland. Tino, ein ca. 18-monatiger Rauhhaargalgo habe plötzlich Probleme beim Kot absetzen; er drücke aber es komme nur Blut, Schleim und wenig harter Kot, dazwischen habe er auch erfolglosen Stuhldrang. Sie habe ihn auf den Verdacht hin er könnte Parasiten haben bereits entwurmt. Leider veränderte sich die Situation für ihn daraufhin nicht zum Besseren.

Dazu kam das Tino die Diagnose Leishmaniose positiv hat und regelmässig dafür Medikamente einnehmen muss. Ich kannte Tino von meinen gelegentlichen Besuchen als liebenswürdigen, verspielten, neugierigen, mutigen dabei aber doch manchmal scheuen Hund.

Auslöser für diese Symptome gab es laut der Leiterin keine, er hatte weder etwas Unverdauliches gefressen noch lag etwas vor was ihn emotional beschäftigen konnte vor. Also gab ich als Akutmittel Nux-vomica C30 auf die Symptome des erfolglosen Stuhldranges, Blut im Stuhl, wenig harter Kot, Folge von Medikamenten.

Nach zwei Tagen noch keine Reaktion auf die homöopathische Arznei. Wir beschliessen den Hund tierärztlich Abklären zu lassen vor einer weiteren Mittelgabe.

Der Befund von Dr. Rohdewald lautete: der parasitologische Kotuntersuch war negativ, auch der Giardiennachweis (Einzeller in der Dickdarmschleimhaut) ergab ein negatives Resultat. Beim Untersuch zeigte Tino ein normales Allgemeinbefinden. Einzig beim Rektaluntersuch ergab ein stark erweitertes Rektum und im Röntgen war sehr viel Luft im Colon descendens (absteigender Dickdarm) und im Rektum ersichtlich. Die Diagnose lautete auf erweitertes Rektum mit Verdacht auf Inguinalhernie und Megacolon.

Von einer Operation musste wegen ihrer schlechten Prognose sowie der Leishmaniose abgesehen werden. Einschläfern wurde plötzlich zum Thema. Doch der Hund zeigte soviel Lebensfreude wenn er sich nicht gerade beim Kotabsetzen befand, spielte und war anhänglich.

Es erfolgte eine erweiterte Fallaufnahme. Zusätzlich zu den bisherigen Symptomen kam der Befund des Tierarztes, welcher mir aufzeigte das ich mein Augenmerk auf ein Mittel richten musste welches einen starken Einfluss auf die Gewebe hat – ein sogenanntes Gewebemittel. Weiter verwendete ich die Rubrik der Hernien, seine Jugend und einige Gemütsymptome. Nach einer Zwischengabe von Sulfur C30 verabreichte ich Tino Anfangs Februar sein Konstitutionsmittel Calcium carbonicum C200 worauf innert Tagen eine Besserung seines Zustandes eintrat.

Am 28.3.06 wurde Tino von Dr. Rohdewald nachkontrolliert wobei der Verdauungstrakt sich ohne irgendeinen auffälligen Befund zeigte, der Rektaluntersuch war normal. Zu unserer grossen Freude wurde er ohne die für ihn lebensgefährliche Operation und nur mit Hilfe von fünf kleinen homöopathischen Kügeli von seinem Darmleiden geheilt.

Anfangs Mai 06 kam ein weiterer Anruf von Evelyne Bader. Tino hinke mit dem rechten Bein, er habe sich beim wilden Spiel verletzt. Arnika habe sie ihm bereits gegeben ohne Erfolg. Ich schicke ein weiteres homöopathisches Mittel für Verletzungen. Aufgrund fehlender Reaktion lassen wir Tino tierärztlich abklären. Dr. Rohdewald diagnostiziert einen Bänderriss, eine Operation ist unumgänglich.

Evelyne bittet mich um vorübergehende Aufnahme des verletzten Hundes sowie um die Nachbetreuung nach der Operation da er Ruhe brauche und damit kein Leishmanioseschub ausbrechen könne. Mein Ehemann fordert sofort eine vertragliche Regelung gegen einen allfälligen vierten Hund der sich hier möglicherweise einschleichen wolle, schliesslich wäre er nicht der erste. Seit zwei Jahren haben wir einen «Dauerferiengast» aus Zürich.

Tino wird von Evelyne geliefert und fühlt sich sofort zu Hause, er lässt meine 3 zehn- und elfjährigen Couchpotatoes schlafen. Ich sorge für optimale Pflege und Betreuung. Kein Rennen, nur kurze Spaziergänge an der Leine, dafür mehrmals täglich.

Nach sechs Wochen wird Tino wie abgemacht von Evelyne abgeholt. Wir machen ein letztes Erinnerungsfoto. Am nächsten Tag gehen wir in die Ferien. Von Evelyne erfahren wir das Tino in den Hungerstreik getreten ist und eine Depression schiebe.

Ehrlich gesagt vermissten wir (auch mein Ehemann) ihn alle, er war so ein braver und lustiger Kerl.
Kaum waren wir aus den Ferien zurück kam ein weiterer Anruf von Evelyne; sie müsse notfallmässig ihre zweite Hüfte operieren da sie gestürzt sei, ob wir wohl Tino nochmals nehmen würden. Im Moment könnten sie ihm die notwendige sorgsame Betreuung nicht gewährleisten.

Mit der Zustimmung meines Ehemannes holte ich anfangs August unseren König Drosselbart im Graceland ab. Ich wurde mit einer tierischen Umarmung empfangen und nicht mehr aus den Augen gelassen damit ich ja nicht ohne ihn gehe.

Tino erfreut sich weiterhin guter Gesundheit, ist allzeit für einen Spaziergang bereit und fröhnt sich seinem Lieblingshobby; dem beklauen seiner Mitbewohner.

New Graceland Vereinsheft, Ausgabe 2/2006