Behandlung chronischer Diarrhöe mit Gewichtsverlust bei einem Dalmatiner

Anamnese
Bei Präsentation des Dalmatiners war dieser 17 Monate alt und nicht kastriert. Er wog 26 Kilogramm und zeigte sich kachektisch. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Hund bereits vorgängig mit Flagyl, Emorex und Antibiotika gegen unstillbaren Durchfall behandelt. Der Durchfall kam und ging trotz schulmedizinischer Behandlung über einen Zeitraum von sechs Monaten. Die Besitzerin hatte auf Anraten des damaligen Tierarztes beim Hund bereits mehrere Futterumstellungen vorgenommen. Der Hund hatte an den medialen Metatarsi Alopezien mit Haarbruch vom häufigen Schlecken. Die Besitzerin wurde nachts durch den Hund geweckt, da dieser das dringende Bedürfnis hatte Kot abzugeben. Der Hund war angemeldet zur Colonoskopie an der Universitätsklinik.

Die klinische Untersuchung ergab folgendes Ergebnis: Die Untersuchung des Stuhls war ohne pathologischen Befund, wobei vorgängig einmal Giardiose festgestellt wurde. Blutstatus und Chemogramm waren normal. Herzkreislauf und Lungenauskultation waren unauffällig, die Körpertemperatur 38,2° C. Bei der Abdomenpalpation wurde breiiger Darminhalt gespürt. Die Rippen waren sehr gut tast- und sichtbar.

TCM Untersuchung
Der Rücken-Shu-Punkt BL 202 (pi shu, Shu-Punkt Fuss-Tai Yin) war dolent. Der Stuhlgang stinkend, wässrig und gelblich. Dringender Stuhlabgang zwischen 0:00 – 2:00 Uhr. Nach der Kotabgabe fühlte sich der Hund besser. Mehrmals am Tag hat der Hund Stuhlabgang und war müde und lustlos. Er hatte auf dem Fuss-Tai-Yin-Meridian Leckstellen. Seit dem Welpenalter lebt der Rüde im Haushalt mit einer alten dominaten Hündin. Puls und Zungendiagnose wurden nicht durchgeführt.

TCM Diagnose
Aufgrund der Analyse der Vorgeschichte und der präsentierten Zeichen der Untersuchung wurden folgende Diagnosen gestellt: Leber (gan) attackiert Milz (pi). Da der Hund unter der dominaten Hündin leidetet, kam es zu einer Leber-Qi-Stagnation die die Milz angriff. Die Milz ist pathologisch schwach. Milz-Qi-Schwäche (pi qi xu). Wegen der Schwäche der Milz bildete sich endogene Feuchigkeit (shi), die nach unten drängt. Die vorbestehenden Giardien verursachen Hitze (Infektion) mit Eindringen von Feuchtigkeit was zu exogener Feuchigkeit-Hitze (shi re) führt. Wobei die Hitze eher schwach ist.

TCM Behandlung
Bevor der Rüde in die Praxis kam, wurde der Besitzerin telefonisch empfohlen, diesem zweimal täglich einen Esslöffel kaltgepresstes Olivenöl zu geben. Das Olivenöl besänftigt die Leber und somit den dringenden Stuhlgang in der Nacht.
Mit der Behandlung wurde eine Ernährungsumstellung vorgenommen. Der Rüde bekam nun mehr Reis und Gersten. Der Reis12 stärkt den mittleren San Jiao, stärkt das Qi und leitet Feuchtigkeit aus. Die Gerste13 leitet Feuchtigkeit, Hitze und toxische Hitze aus.

Folgende Akupunkturpunkte wurden abwechselnd während der Behandlung tonisierend oder sedierend eingesetzt

  • BL 181 Ganshu, Rücken-shu-Punkt der Fuss jueyin
    Verteilt das Leber-Qi, reguliert und nährt das Leber-Blut, beruhigt Wind, kühlt Feuer und klärt feuchte Hitze, unterstützt die Augen und die Sehnen Nadlung neutral
  • BL 202 Pishu, Rücken-shu-Punkt der Fuss taiyin:
    Tonisiert das Milz-Qi und –Yang, löst Feuchtigkeit auf, kräftigt das Milz-Qi und hält das Blut, reguliert und harmonisiert das Qi des mittleren jiao: Tonisierende Nadlung um die Milz zu stärken
  • BL 233 Shenshu, Rücken-shu-Punkt der Fuss shaoyin:
    Tonisiert die Nieren und stärkt das Yang, unterstützt die Essenz, nährt das Nieren-Yin, stärkt das Nieren-Qi, reguliert die Wasserwege. Tonisierende Nadlung um den Ursprung der Milz zu stärken
  • BL 254 Dachangshu, Rücken-shu-Punkt des Hand yangming:
    Reguliert die Eingeweide, Beseitigt Stagnation und erleichtert Schmerzen. Ableitende Nadlung um die Därme von Fülle zu befreien
  • Mz 65 Sanyinjiao, Kreuzungspunkt der Milz, Leber und Nieren-LB
    Tonisiert Milz und Magen, beseitigt Feuchtigkeit, harmonisiert die Leber und tonisiert die Niere, harmonisiert den unteren jiao. Tonisierende Nadlung um die Milz zu stärken
  • Mz 96 Yinlingquan, He-Meerpunkt und Wasserpunkt der Milz-LB
    Reguliert die Milz und beseitigt Feuchtigkeit, öffnet und belebt die Wasserwege, unterstützt den Unteren jiao. Ableitende Nadlung um Feuchtigkeit auszuleiten
  • Ma 367 Zusanli, He-Meer-Punkt und Erdepunkt der Magen-LB Gao Wu Kommandopunkt, Ma Dan-Yang Himmels-Stern-Punkt, Punkt des Meeres von Wasser und Getreide
    Harmonisiert den Magen, kräftigt die Milz und löst Feuchtigkeit auf, unterstützt das wahre Qi und nährt das Ursprungs-Qi. Tonisierende Nadlung um die Diarrhöe zu stoppen
  • Di 48 Hegu, yuan-Quellpunkt der Dickdarm-LB Gao Wu Kommando-Punkt, Ma Dan-Yang Himmel- Stern-Punkt:
    Reguliert das Wei-Qi und Schwitzen, vertreibt Wind und befreit die Oberfläche, lindert Schmerzen. In Kombination mit Le 3 Taichong genannt. Vier Tore nach Ode to Elucidate My-
    steries. Ableitende Nadlung mit Le 3 um Qi zu bewegen, Le 39 Taichong, shu-Bachpunkt, yuan-Quellpunkt, Erdepunkt der Leber-LB, Ma Dan-yang Himmel-Stern-Punkt. Verteilt das Leber-Qi, unterdrückt Leber-Yang und beseitigt Wind, nährt das Leber-Blut und Leber-Yin, reguliert den unteren jiao. Ableitende Nadlung mit Di4 um Qi zu bewegen
  • Di 1110 Quchi, He-Meerpunkt und Erdepunkt der Dickdarm-LB Sun Si-miao Geist-Punkt, Ma Dan-yang Himmel-Stern-Punkt:
    Klärt Hitze, Kühlt das Blut, eliminiert Wind, leitet Nässe aus und verringert Juckreiz, reguliert Qi und Blut, lindert Schmerzen. Ableitende Nadlung um Hitze zu klären

Verlauf
Der Hund hatte sofort auf das Olivenöl angesprochen, innert weniger Tage hatte er kein Bedürfnis mehr Kot in der Nacht abzugeben.

Nach den ersten drei Behandlungen hat sich der Durchfall gebessert. Mit sechs Behandlungen war der Durchfall ganz gestoppt. Wobei die Besitzerin manchmal das Gefühl hatte, dass der Rüde nachmittags weichen Stuhl abgibt. In Absprache mit der Besitzerin wurde eine mehrmonatige Pause eingelegt. Während gut acht Wochen hatte der Hund überhaupt keinen Durchfall. Wobei mit der Zeit der Stuhl wieder etwas weicher wurde. Da der Rüde eine Tendenz zur Milz-Schwäche hat, wurde die Akupunktur nach einem Vierteljahr wiederholt.

Während den ersten zwei Monaten hat der Hund 2,8 Kilogramm zugenommen. Er ist viel aktiver und lebendiger geworden. Die Leckstellen an den Hinterpfoten sind verschwunden. Im Hundesport hat sich der Hund gesteigert und ist aufmerksamer geworden. Das Verhältnis zur dominanten Hündin im gleichen Haushalt ist unverändert. Dadurch neigt der Hund zur Leber-Qi-Stagnation. Da die Lebensumstände des Hundes nicht geändert werden können, hat sich abgezeichnet, dass der Hund bei akuten Zuständen wieder Akupunktur bekommt. Wobei die Besitzerin glücklich ist über den Fortgang der Genesung.

Dr. med. vet. Martin P. Rohdewald,
Leimatt 10, CH-6317 Oberwil,
+41 (0)41 712 10 00, rohde@datacomm.ch,
New Graceland Vereinsmagazin, Ausgabe 1/2006